Gamescom 2016


Die Gamescom ist nun etwas mehr als zwei Wochen her und alle Eindrücke, die unsere anwesenden Mitarbeiter der Bibliothek dort gewinnen konnten, konnten nun verarbeitet werden.

Vorab ein paar Zahlen: Die Gamescom hatte dieses Jahr 877 Aussteller aus 54 Ländern (knapp 10 % mehr als im Vorjahr), auf rund 193.000 m² Ausstellungsfläche. Trotz Aufwendiger Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen kamen knapp 350.000 Besucher aus über 90 Ländern zur Gamescom, zehn Prozent davon Fachbesucher.

Als Bibliothek war es uns möglich zusätzlich zur Gamescom auch den Congress zu besuchen, auf dem Jahr für Jahr verschiedene Vorträge zu relevanten Themen gehalten werden. Dieses Jahr wurde dabei in fünf Dachthemen unterteilt:

  • Wissen: Besser Forschen, besser schützen
  • Business: Alltag gestalten, Chancen ergreifen
  • Apits: Das Computerspiel als Multifunktionstool
  • VGBA Summit: Legal A plea on behalf of fun
  • Leben: Endlich angekommen? Games und die Mitte der Gesellschaft.

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Auch wenn auf der Gamescom selbst Augmented Reality in Vordergrund stand, gab es vor allem ein Thema das überall auf dem Congress präsent war: Pokémon GO. Spätestens ab dem zweiten Vortrag war klar: Pokémon GO zu erwähnen gehörte auf dem Congress zum guten Ton; und man hat dabei sogar noch etwas gelernt.

  • Es gibt 7,1 Millionen Pokémon GO Spieler in Deutschland
  • 60% dieser Spieler sind über 18
  • Pokémon GO erlaubt es den Jugendlichen sowohl Mobil als auch Online zu sein, was als positiv betrachtet werden kann

Das 60% aller Pokémon GO Spieler über 18 sind mag hier seltsam erscheinen, man muss sich allerdings im Klaren sein, dass die ersten Pokémon Editionen in den 90ern veröffentlicht wurden, und von Kindern und Jugendlichen damals gespielt wurden, die heutzutage dann natürlich erwachsen und immer noch an der Thematik interessiert sind. Wie ausgeprägt das dann natürlich ist, muss jede Person für sich selbst rausfinden.

Vortrag: Fostering diversity and inclusion

Der ersten Vortrag, den wir nach der Begrüßung besucht haben nannte sich „Fostering diversity and inclusion“, in dem Diane Hunkeler von der Firma Wooga (bekannt für Diamond Dash und Jelly Splash) darüber berichtete, wie man am besten dafür sorgen kann, dass man eine diversifizierte Belegschaft hat, denn wie sie so schön sagte:

„Diverse teams make the best games for a diverse audience.”

Ein Zitat das man in diesem Fall nicht nur auf Spiele anwenden kann. Diversität in der Belegschaft ist entscheidend, um Kunden aller sozialen Schichten, Ethnien, Lebensmodelle und Ideologien zufrieden zu stellen.

Laut Frau Hunkeler funktioniert Diversity in drei Schritten

1.0                                                      2.0                                                      3.0

Bewusst machen                             Positives hervorheben              Das System ändern

Die Referentin gab an dieser Stelle einige Tipps, wie man in einem Team darauf hinarbeiten kann, Diversität zu unterstützen

  • Aufzeigen und trainieren von unbewusster Voreingenommenheit
  • Diversity-training
  • Simple Einmischungen in das Verhalten
  • Erst einmal sollte man inklusiv sein, bevor man sich daran macht, divers zu sein, da sich die ethnischen, religiösen oder sozialen Minderheiten sonst ausgegrenzt fühlen und nicht lange bleiben
  • Das Training sollte optional und nicht erzwungen sein

Sie hatte außerdem fünf Tipps, für ein Diverses zusammen arbeiten

  1. Set yourself up for success
    1. Transparenz, kein Fingerzeigen
    2. Unterstützung der Leitung
  2. Do your research
    1. Sich Firmen anschauen, bei denen Inklusion und Diversität bereits gut funktioniert
  3. Verbinde Diversität und Inklusion mit den Zielen der Firma
  4. Übe jeden Tag
    1. Zeige auf, wenn jemand es nicht macht
    2. Wähle Vorbilder, die es den anderen vormachen
  5. Zwinge niemanden
    1. Keine verpflichtenden Kurse
    2. Finde Sponsoren (in der Firma)

Vortrag: Alles bleibt anders – Die Zukunft des Jugendmedienschutzes

Als zweiten Vortrag – und möglicherweise der, der für uns als Bibliothek am relevantesten war – haben wir „Alles bleibt anders – Die Zukunft des Jugendmedienschutzes“ besucht.

Bei diesem Vortrag handelte es sich um ein Panel, bestehend aus Felix Falk von der USK, Andres Fischer vom KJM, Dr. Ralf Kleindiek vom BMFSFJ, Stefan Schellenberg von Jusprog und Christine Schwarzer von der CDU.

Ein großes Thema war in diesem Panel der Wunsch nach einem geänderten Gesetz zum Medienschutz Kinder und Jugendlicher (es wird freuen zu hören, dass ein Entwurf bereits vorliegt). Das jetzige Gesetz unterscheidet derzeit noch zwischen Online und Offline Medien, was nach Einschätzung der Experten nicht mehr Zeitgemäß ist. Ein großes Problem hierbei scheint wohl zu sein, dass der Medienschutz nicht auf Bundes- sondern auf Länderebene läuft; wie Herr Dr. Kleindiek hier allerdings einbrachte sollte der Schutz von Kindern und Jugendlichen nicht an der Staatlichen Ordnung von Bund und Länder scheitern.

Der Wunsch schien eher zu sein, das ein gemeinsames Regelwerk geschaffen wird, an dem sich die Länder orientieren können (hier muss man wohl auf den Entwurf warten).

Her Schellenberg von dem Jugendschutzprogramm Jusprog brachte hier allerdings sehr passend ein, dass es kein vom Bund finanziertes Jugendschutzprogramm gibt und dass dies nur durch unabhängige Projekte oder Firmen durchgesetzt wird. Den Eltern ist es allerdings egal, wo der Schutz herkommt, solange er kommt.

Kurz darauf, kam man zur wohl wichtigsten Frage des Tages: Wie viel müssen Eltern/Pädagogen selber machen und wo endet ihre Pflicht des Medienschutzes?

Die Meinungen dazu waren in diesem Fall relativ ähnlich. Man war sich einig, dass es nichts bringt, wenn Eltern sich andauernd die Smartphones ihrer Kinder angucken und sie durchforsten. Dass Interesse da ist, ist wesentlich wichtiger (hier wurde auch vorher schon einmal eingeworfen, dass Pokémon GO dazu geführt hat, dass sich Erwachsene der Smartphones wesentlich bewusster sind). Es wurde an dieser Stelle auch von einem Intelligenten Risikomanagement gesprochen; den Eltern sollte es selbst überlassen sein, wie sie ihre Kinder medial erziehen (einige Eltern lassen ihre sechsjährigen Kinder in Filme ab 12, andere nicht, andere wiederum reden davor oder danach darüber mit ihnen). Man war sich allerdings einig, dass Kinder zwischen 6 und 12 das Internet, bzw. Medien in einem geschützten Raum nutzen sollten und nicht einfach so, ohne irgendwelche Hilfe.

An dieser Stelle muss allerdings auch beachtet werden, dass der Umgang in verschiedenen sozialen Schichten unterschiedlich ist. Eltern aus sozial schwachen Schichten kümmern sich statistisch gesehen weniger um die Medienerziehung ihres Kindes, als Eltern aus sozial starken Schichten. Die soziale Kluft ist dadurch noch größer geworden.

Wo die Teilnehmer des Panels gerade bei sozial schwachen Schichten und mangelnder Medienerziehung waren, warf Frau Schwarzer von der CDU noch einen Vergleich zu dem Amoklauf in München ein. Frau Schwarzer stellte hier sehr richtig fest, dass nicht jeder Ego-Shooter Spieler ein Massenmörder ist (die Verfasserin dieses Artikels sieht ihrer eigenen Zukunft also positiv entgegen und spielt auch weiterhin „Ballerspiele“), dass angehende Massenmörder sich aber erst einmal dort Inspiration holen und das mangelnde Medienerziehung auch hier eine Rolle spielen kann.

An dieser Stelle wies sie auch noch einmal auf das geplante Gesetz hin, dass heute gemacht wird und morgen schon wieder ungültig ist.
Um Frau Schwarzer an dieser Stelle einmal zu zitieren: „Viele meiner Kollegen müssen in der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen ankommen.“

Und bis es so weit ist, kann es wohl noch ein bisschen dauern.

Unterwegs auf der Gamescom

Nach diesen beiden Vorträgen war erst einmal eine Mittagspause angesagt. Wild entschlossen nicht nur eine Stunde rum zu sitzen, sondern auch etwas von der Gamescom zu erleben, bevor am Ende alles viel zu voll werden würde, zogen wir aus, um uns etwas umzuschauen. Wir wanderten ziellos durch die Hallen, verdrehten die Augen, als wir das neue FIFA sahen, da wir genau wussten, dass ab Ende September bei uns in der Bibliothek nichts anderes mehr gespielt werden wird und dann geschah es.

Wir verliefen uns und endeten in einer Halle, die eigentlich nichts beherbergte außer einem Schild: „Merchandise in Halle 5.2“.

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Nun… wer schon jemals das zweifelhafte Vergnügen hatte sich für ein Spiel oder einen Film zu interessieren der hat vielleicht schon einmal überlegt sich eine Figur zu kaufen. Oder einen Plüschi. Oder ein Poster. Oder vielleicht besitzen Sie das alles auch schon und brauchen einfach noch mehr.

Die Einzelheiten ersparen wir Ihnen lieber an dieser Stelle, aber so viel sei gesagt: Als wir 1 ½ Stunden später aus der Merchandise Halle herausfanden, mussten wir uns erst einmal vergewissern, dass es immer noch Donnerstag und nicht schon Freitag war.

Ein Blick auf die Uhr konnte uns allerdings verraten, dass wir möglicherweise ein bisschen länger gebraucht hatten, als ursprünglich geplant und unseren nächsten Vortrag verpasst hatten.

Um es in der Jugendsprache zu sagen, dachten wir uns in diesem Moment „Whatever“ und machten noch einen kleinen Abstecher in Halle 9 um uns das Spiel anzuschauen, auf das wir nun seit zehn Jahren warten.

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Die Rede ist natürlich von Final Fantasy XV (damals noch bekannt unter Final Fantasy XIII versus). Wer noch nicht von diesem Spiel gehört hat, sollte wissen: Es wurde 2006 mit einem Trailer das erste Mal angekündigt. Dann hörte man erst einmal lange nichts und man hatte schon die Befürchtung, dass es gestrichen worden sei, bis mehr und mehr Informationen kamen und es endlich einen Starttermin gab. Theoretisch hätte es am 30. September 2016 rauskommen sollten, nun wurde es auf den 29. November verschoben. Es ist an dieser Stelle nicht zu viel gesagt, wenn erwähnt wird, dass möglicherweise die ein oder andere Träne vergossen wurden.

Nichtsdestotrotz wurde sich an die Schlange beim Square Enix Stand angestellt und gewartet. Und gewartet und gewartet.

Eine gefühlte Ewigkeit später war es dann so weit und wir durften das Spiel testen. An diese Stelle sollte erwähnt werden, dass definitiv die ein oder andere Träne gefallen ist.

Nachdem man uns mit einem Brecheisen von dem Computer weggezerrt hat, haben wir uns erinnert, dass wir Anfang November eine Veranstaltung zu dem Spiel haben. Wir fragten nach und Square Enix war nett genug uns ein T-Shirt und einige Flyer zu dem dazugehörigen Film (Final Fantasy XV: Kingsglaive) bereit zu stellen, die wir verteilen und mit denen wir unsere Veranstaltung bewerben werden.

Mit einer vollen Taschen haben wir festgestellt, dass wir auch die nächsten zwei Vorträge mittlerweile verpasst hatten und haben die Gelegenheit genutzt und uns noch weitere Spiele angeguckt, die wir für die Bibliothek anschaffen, bzw. angeschafft haben (Horizon Zero Dawn, Deus Ex, Overwatch).

Danach war es dann auch schon an der Zeit uns auf den Weg nach Hause zu machen, aber natürlich nicht ohne am Messebahnhof noch den Arenaleiter herauszufordern. Der Congress stand immerhin schon ein bisschen im Zeichen von Pokémon GO.

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